SATYRICON & KHOLD

Datum:  17.03.2003
Ort:  Explosiv, Graz
Bands:  Satyricon und Khold

Satyricon sind ja bekanntlich nun auf Virgin und ihr letztes Album ist zwar typisch für die Band, jedoch in einem sehr modernen Gewand was in mir die Frage aufkommen lies, wie man das wohl live umsetzen würde. Als Vorband hatte man sich die Landsleute von Khold geholt, die mit ihrem eher traditionellen Old school Black Metal schon fast einen Gegensatz zu den Headlinern waren. Das diese Mischung trotzdem sehr gut funktioniert bewiesen die beiden Bands eindrucksvoll.

Mit einer sehr geringen Verspätung von nur 10 Minuten enterten Khold die Bühne, ohne Vorband wohlgemerkt, und servierten der Meute etwa 35 Minuten brutal langsame Songs ihrer letzten beiden Alben. Besonders positiv viel auf das Sänger/Gitarrist Gard sich nicht nur mit Posings und grimmiger Miene dem Publikum zuwandte sondern die Leute richtig zum Mitmachen anfeuerte. Sein Outfit, ein zerschnittener Teppich oder was auch immer das sein sollte, und sein von den Albencovern bekanntes Corpsepaint unter Mithilfe seiner Gesten, brachten schon von Anfang an Leben ins Orpheum und ließen die Stimmung steigen. Nur bei den durchgehend langsamen Songs wurde die Stimmung etwas gedrückt, aber bei den schnelleren Passagen konnten sich immer mehr Leute begeistern. Langsam wurde die Halle auch immer voller, was für einen Montag auch nicht gerade typisch ist, aber man merkte der Band langsam an das sie müde wurden. Anfangs noch voller Elan, ließen sie bewegungstechnisch mit der Zeit etwas nach, was aber nicht auf die Stimmung im Publikum übersprang den die Haaren wurden geschwungen und ein kleines MoshPit formierte sich in der 2ten und 3ten Reihe. Musikalisch wie bei der Band üblich, total anspruchslos, aber trotzdem oder gerade deswegen total eingängig, wurde auch ein neuer Song präsentiert, der keine Abweichung vom altbekannten Schema bemerken ließ. Nach nur etwas mehr als einer halben Stunden verabschiedeten sich Khold in Richtung Backstage und kamen auch nach einer relativ kurzen Aufforderung nach einer Zugabe nicht mehr hervor. Nun war es an der Zeit für eine kleine Umbaupause, den das Schlagzeug von Khold, mußte abgebaut werden was recht schnell von statten ging, den es war neben einer Bassdrum und der Snare gerade mal mit 3 Becken und zwei Toms ausgestattet und sah gegen das Drumkit von Frost wie ein Kinderschlagzeug aus. Letzterer hatte sich ja vor kurzem den Fuß gebrochen, zumindest war dies die Meldung, den was der Mann hinter seinem Kit so losließ war weder mit einem Fuß noch mit einer schlimmen Verletzung möglich gewesen, aber dazu später mehr. Meine Vermutung ging eher dahin das sein Fuß „nur“ angeknackst sein konnte...

Egal, eine halbe Stunde dauerte die Umbauphase und langsam wurden alle Leute im Saal schon ungeduldig und die Rufe nach Satyr wurden immer lauter. Dann endlich ging das Licht aus, und man konnte Frost mit Krücken an sein Kit humpeln sehen während sich die restlichen Bandmitglieder noch eine wenig im Nebel versteckten und darauf warteten das Inferno starten zu können. Ich gebe zu nicht der größte Satyricon Fan unter Satans Sonne zu sein, aber die Live Performance der Band war auch für mich beeindruckend. Die zwei Gitarristen, und der Bassist ließen ihre Matten schwingen und auch der Keyboarder stand ihnen in nichts nach. Allen voran stand Satyr und schrie seine Botschaften ins willige Publikum die es ihm mit Applaus und fliegenden haaren dankten. Der Hauptteil der Songs war von der neuen CD die mich erst nach mehrmaligem Hören überzeugen konnte. Live sind die Songs eine Wucht, da sie einmal bangtauglich sowieso eingängig sind. „Repine Bastard Nation“ und „Fuil of harted“ sowie „Posessed“ wurden abgefeiert und eine kleine Menge na Leuten fingen wie wild an Pogo zu tanzen. Die Anzahl der Leute wurde immer größer und so entstand vor der Bühne ein wild herumspringender Haufen von satyricongeilen Fans die sich gegenseitig fast niedertraten. Auch die alten Songs wurden abgefeiert beispielsweise „Hvite Krists Død“ mit dem gesprochenen Anfang und einer Pose beim Ansagen die ihresgleichen suchte, wurde in die Menge geschleudert und verfehlte seine Wirkung nicht. Die Haare wurden nur nach mehr geschwungen und der pogende Menschenhaufen glich einem Kampf um Leben und Tod. Einzig die Songs vom „Rebel Extravaganza“Album wurden nicht so gut aufgenommen, die Songs sind einfach zu extraordinär und zu vertrackt als das man gut dazu bangen könnte. Nach etwa 80 Minuten norwegischer Power, mit einem Frost am Schlagzeug der so präzise und schnell spielte das einige Schlagzeuger schon daran dachte das er nicht wirklich selber spielen würde, gingen die Mannen von der Bühne. Das konnte natürlich nicht das Ende sein, den „Mother North“ war noch nicht gespielt worden und so kamen sie nach lauten Rufen des Publikums wieder zurück auf die Bühne und gaben den Leuten was sie wollten. Frenetisch Bejubelt wurde endlich der Satyricon Song schlechthin zum Besten gegeben und die Leute gaben noch ein letztes Mal alles und bangten sich das Hirn aus dem Schädel. Nach dieser Zugabe aber verließen sie endgültig die Bühne und waren auch durch Zugabe Rufe nicht mehr zu einer solchen zu überreden. Abschließend muß man festhalten das die Grazer Konzertbesucher wohl zu den wenigen Ausnahmen in Österreich zählen den hier wird nicht nur phlegmatisch herumgestanden und wie in der Kirche auf die Vortragenden geglotzt, nein hier ist die Hölle los und das alles ohne irgendwelche Probleme. Auch wenn so mancher im Pogo Kreis befindliche schon mal aus der Reihe viel und unkontrolliert in der Gegend wankte, war es trotz einiger harter Aktionen immer noch freundschaftlich. Ein Abklatschen, ein Zuprosten und die Sache hat sich. Das haut hin. Was nicht so hinhaut, bzw. wo man geteilter Meinung sein kann ist, ob es so intelligent ist mit Corpsepaint auf einem Konzert zu erscheinen wie man es auch hier gesehen hat. Meiner Meinung nach wirkt das eher lächerlich und anbiedernd und läßt eher auf jugendlichen Übermut schließen als auf große Zugehörigkeit zur Szene oder zur Band.


FAZIT:

30 Euro an der Abendkassa für 2 Bands geht auf keine Kuhhaut mehr. Zum Glück war das Gebotene von guter Qualität und läßt so den Preis ein wenig in anderem Licht erscheinen. Musikalisch waren die Leistungen beider Bands top und sind ein Ansehen definitiv wert. 


PUNKTEBEWERTUNG:  7 von 10


Fogvision


Gelesen: 207x (seit 28.10.2012)


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